Nürnberg (ots) –
Siemens-Chef Roland Busch sieht Deutschland bei industrieller Künstlicher Intelligenz unter erheblichem Zeitdruck. Politik und Wirtschaft müssten in einen Krisenmodus schalten, sagte Busch beim Big Bang Nürnberg Management Summit in Nürnberg. „Das Schlimmste im Krisenmodus ist Stillstand.“
KI sei keine Mode, sondern eine Schlüsseltechnologie, die Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend verändern werde. „Dampf hat 60 Jahre gebraucht, Strom 30, Computer und Internet 15. Bei KI reden wir jetzt von sieben oder acht Jahren – drei sind schon vorbei“, sagte Busch. Deutschland müsse sich deshalb stärker fokussieren und schneller entscheiden.
Bei industrieller KI habe Deutschland trotz Rückständen in anderen Bereichen noch eine Chance, sagte der Siemens-Chef. Europa habe den Wettbewerb um digitale Plattformen weitgehend verloren, auch bei großen KI-Basismodellen liege die Führung nicht hier. „Bei industrieller KI ist Deutschland am Scheideweg.“ Gerade in der Verbindung von KI mit Maschinenbau, Automatisierung, industriellen Daten und realen Produktionsprozessen verfüge Deutschland über wichtige Voraussetzungen.
Der Mittelstand habe die Bedeutung von KI vielfach erkannt, müsse aber schneller in die Umsetzung kommen, sagte Busch. Dazu gehörten das Teilen von Daten, digitale Plattformen und kürzere Innovationszyklen. Siemens arbeite bereits mit sieben führenden Maschinenbauern zusammen, die Produktions- und Maschinendaten teilten. Ziel sei es, Modelle für industrielle KI-Anwendungen aufzubauen.
In der Industrie müssten KI-Systeme besonders verlässlich sein, sagte Busch. Siemens setze deshalb auf physikbasierte Simulationen, um KI-Ergebnisse zu überprüfen und für Fabriken und Produktionsprozesse nutzbar zu machen. Zugleich warnte Busch vor übertriebenen Bewertungen im internationalen Technologiesektor. Viele Bewertungen seien „massiv überzogen“.
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Quelle: ots
