Unternehmensverkauf an Investoren: Die 3 größten Fehler, mit denen Gründer Millionen verschenken

London (ots) –

Immer mehr Gründer verkaufen ihre Unternehmen an Investoren oder Private-Equity-Gesellschaften. Doch genau in diesen Verhandlungen verlieren viele enorme Summen – nicht weil das Unternehmen schlecht ist, sondern weil sie strategisch unvorbereitet in den Verkaufsprozess gehen. Emotionale Entscheidungen, falsche Bewertungen oder schlechte Vertragsstrukturen kosten oft Millionen.

Die größten Fehler passieren selten beim Aufbau eines Unternehmens, sondern beim Exit. Genau dort verschenken viele Gründer den Wert, den sie über Jahre geschaffen haben. Hier erfahren Sie, welche drei Fehler Unternehmensverkäufe besonders teuer machen und wie Gründer verhindern, bei Verhandlungen über den Tisch gezogen zu werden.

Fehler 1: Den Kaufpreis zum wichtigsten Kriterium machen

Viele Unternehmer konzentrieren sich beim Verkauf vor allem auf die Bewertung. Wer den höchsten Kaufpreis bietet, scheint zunächst automatisch das beste Angebot vorzulegen. In der Praxis entscheidet jedoch weit mehr über den tatsächlichen Wert einer Transaktion.

Regelungen zu Earn-outs, Rückbeteiligungen, Garantien oder Mitspracherechten können den finanziellen Erfolg eines Verkaufs erheblich beeinflussen. Dadurch kann ein Angebot mit einer niedrigeren Bewertung wirtschaftlich attraktiver sein als ein vermeintlich höheres Gebot.

Entscheidend ist daher nicht die einzelne Zahl auf dem Kaufvertrag, sondern das Gesamtpaket aus Preis, Struktur und langfristigen Bedingungen.

Fehler 2: Ohne Wettbewerb verhandeln

Ein weiterer häufiger Fehler besteht darin, sich frühzeitig auf einen einzigen Interessenten festzulegen. Viele Gründer führen exklusive Gespräche mit dem ersten Investor, der ernsthaftes Interesse zeigt.

Dadurch verlieren sie jedoch ihren wichtigsten Verhandlungshebel: Wettbewerb. Solange mehrere Käufer gleichzeitig Interesse haben, steigt der Druck auf die Investoren, attraktive Konditionen anzubieten. Fehlt diese Konkurrenzsituation, verbessert sich die Position des Käufers automatisch.

Die besten Ergebnisse entstehen deshalb meist dann, wenn mehrere glaubwürdige Interessenten parallel am Verkaufsprozess teilnehmen.

Fehler 3: Die Professionalität der Käufer unterschätzen

Während viele Gründer nur einmal im Leben ein Unternehmen verkaufen, führen Private-Equity-Gesellschaften regelmäßig Transaktionen durch. Hinter ihnen stehen häufig Teams aus Investment Bankern, Anwälten, Steuerexperten, Wirtschaftsprüfern und Branchenberatern.

Dennoch verlassen sich viele Unternehmer vor allem auf ihre operative Erfahrung. Dabei unterscheiden sich die Anforderungen eines Verkaufsprozesses erheblich vom Tagesgeschäft. Wer die Komplexität einer Transaktion unterschätzt, befindet sich schnell in einer schwächeren Verhandlungsposition und akzeptiert möglicherweise ungünstige Vertragsbedingungen.

Wo Verkäufer oft ihre Verhandlungsmacht verlieren

Besonders kritisch wird die Phase der Exklusivität. Bis dahin konkurrieren häufig mehrere Interessenten um das Unternehmen. Sobald jedoch nur noch ein Käufer übrig bleibt, verschiebt sich das Kräfteverhältnis.

Der Käufer weiß nun, dass bereits viel Zeit und Aufwand investiert wurden und der Verkäufer den Prozess möglichst abschließen möchte. Viele Nachverhandlungen finden genau in dieser Phase statt. Ohne ausreichende Vorbereitung oder Alternativen akzeptieren Unternehmer dann häufig schlechtere Konditionen, um den Verkauf nicht zu gefährden.

Warum Emotionen zum Risiko werden können

Für Gründer ist ein Unternehmensverkauf meist die wichtigste finanzielle Entscheidung ihres Lebens. Investoren betrachten dieselbe Situation dagegen deutlich nüchterner, da sie regelmäßig Transaktionen begleiten.

Diese unterschiedliche Perspektive führt häufig dazu, dass Unternehmer zu früh Vertrauen aufbauen, Konflikte vermeiden oder aus Erschöpfung Kompromisse eingehen. Besonders bei langwierigen Prozessen entsteht oft der Wunsch, den Verkauf möglichst schnell abzuschließen. Dieser sogenannte Deal-Fatigue-Effekt kann die Verhandlungsposition zusätzlich schwächen.

Worauf Gründer stattdessen achten sollten

Erfolgreiche Unternehmer fragen nicht ausschließlich nach der höchsten Bewertung. Sie prüfen vielmehr, welches Gesamtpaket langfristig den größten Wert schafft.

Dazu gehören ein professionell vorbereiteter Verkaufsprozess, mehrere konkurrierende Interessenten, eine passende Transaktionsstruktur und erfahrene Berater, die ausschließlich die Interessen des Verkäufers vertreten. Die erfolgreichsten Exits beginnen häufig bereits ein bis zwei Jahre vor dem eigentlichen Verkauf.

Die meistunterschätzte Möglichkeit zur Wertsteigerung

Viele Gründer konzentrieren sich vor einem Exit vor allem auf Umsatz- und Gewinnwachstum. Aus Sicht professioneller Investoren ist jedoch häufig etwas anderes entscheidend: die Reduzierung von Risiken.

Besonders positiv wirken sich eine geringere Abhängigkeit vom Gründer, eine starke zweite Managementebene, professionelle Finanzberichte, wiederkehrende Umsätze und eine überzeugende Wachstumsstrategie aus. Investoren bewerten nicht nur die Höhe der Gewinne, sondern vor allem deren Nachhaltigkeit und Skalierbarkeit.

Deshalb entstehen die besten Verkaufsergebnisse selten während der Verhandlungen. In vielen Fällen werden sie bereits Jahre zuvor vorbereitet – durch den gezielten Aufbau eines Unternehmens, das für Käufer möglichst attraktiv und risikoarm ist.

Über Daniel Baade:

Dr. Daniel Baade ist CEO von Dyer Baade & Company in London. Die M&A-Beratung unterstützt eigentümergeführte Unternehmen bei Unternehmensverkäufen und Kapitaltransaktionen mit internationalen Investoren. Sein Schwerpunkt liegt auf der strategischen Vorbereitung von Nachfolge- und Verkaufssituationen sowie der Positionierung mittelständischer Unternehmen im internationalen Private-Equity-Markt. Mehr Informationen unter: https://dyerbaade.com/

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