Wuppertal (ots) –
Mehr als 207.000 Beschäftigte aus Handwerksberufen verunfallten 2024 so schwer, dass sie länger als drei Tage arbeitsunfähig waren. Gleichzeitig ereignen sich viele kritische Situationen nicht im eigenen Betrieb, sondern direkt auf Baustellen, beim Kunden oder im Serviceeinsatz. Warum klassische Arbeitsschutzmaßnahmen dort oft an ihre Grenzen stoßen und welche Methoden Unternehmen heute zusätzlich benötigen, um Risiken wirksam zu reduzieren, erfahren Sie hier.
Management, Sicherheitsingenieure und Fachkräfte für Arbeitssicherheit verfolgen ein gemeinsames Ziel: Sie wollen dafür sorgen, dass Mitarbeitende jeden Tag sicher arbeiten und gesund nach Hause zurückkehren. In Handwerk, Montage, Service und Bau gestaltet sich diese Aufgabe jedoch deutlich anspruchsvoller als in klassischen Produktionsumgebungen. Risiken entstehen nicht an festen Arbeitsplätzen, sondern an ständig wechselnden Einsatzorten. Mitarbeitende treffen auf unbekannte Umgebungen, andere Gewerke, unterschiedliche Kundenanforderungen und oftmals hohen Zeitdruck. Gleichzeitig zeigen die Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung seit Jahren ein ähnliches Bild. Handwerksnahe Berufe gehören weiterhin zu den Berufsgruppen mit besonders vielen Arbeitsunfällen. In nahezu allen Unternehmen sind Gefährdungsbeurteilungen, Betriebsanweisungen und Unterweisungen in guter Qualität vorhanden. Diese Maßnahmen bleiben unverzichtbar. In der Praxis stoßen sie jedoch dort an Grenzen, wo Mitarbeitende täglich mit Situationen konfrontiert werden, die sich nicht vollständig planen lassen. „Wenn Unternehmen in dezentralen Bereichen ausschließlich auf Vorgaben und Dokumentation setzen, entsteht schnell eine Lücke zwischen den Regeln und den tatsächlichen Entscheidungen vor Ort. Genau dort entwickeln sich viele Risiken, lange bevor es zu einem Unfall kommt“, erklärt Dr. Anna Ganzke, Geschäftsführerin der WandelWerker Consulting GmbH.
„Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob viele Ordner voller Regelungen existieren, sondern ob Mitarbeitende in der Lage sind, Risiken vor Ort selbstständig zu erkennen, richtig einzuordnen und daraus sichere Entscheidungen abzuleiten“, betont Dr. Anna Ganzke. Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich die WandelWerker Consulting GmbH seit vielen Jahren in der Zusammenarbeit mit mittelständischen Unternehmen und Konzernen in Deutschland und Europa. Gemeinsam mit Stefan Ganzke und ihrem Team betrachtet die Sicherheitsingenieurin Arbeitssicherheit in dezentralen Bereichen als eigenständiges Handlungsfeld. Der Grund: Die Bedingungen auf Baustellen, in Serviceeinsätzen oder bei Montagearbeiten unterscheiden sich grundlegend von denen in Produktion und Logistik. Während Führungskräfte in einem Werk häufig direkt eingreifen können, entsteht in dezentralen Strukturen zwangsläufig räumliche Distanz. Genau daraus entwickelt sich häufig der sogenannte Last Mile Gap, also die Lücke zwischen den bestehenden Sicherheitsvorgaben und deren tatsächlicher Umsetzung im operativen Alltag. Um diese Lücke zu schließen, braucht es Methoden, die nicht nur dokumentiert, sondern von den Mitarbeitenden vor Ort aktiv angewendet werden.
Wenn klassische Arbeitsschutzmaßnahmen an ihre Grenzen stoßen
Arbeitssicherheit wurde über viele Jahre vor allem für feste Arbeitsplätze entwickelt. In Produktionshallen oder Logistikzentren lassen sich Risiken vergleichsweise gut erfassen, analysieren und kontrollieren. In dezentralen Arbeitsbereichen sieht die Realität anders aus. Dort treffen Monteure, Servicetechniker und Baustellenmitarbeitende regelmäßig auf Bedingungen, die sich täglich verändern können.
Zusätzliche Herausforderungen entstehen durch die Zusammenarbeit mit anderen Gewerken, wechselnde Kundenumgebungen und unvorhersehbare Rahmenbedingungen. Gleichzeitig sind Führungskräfte häufig nicht vor Ort. Dadurch wächst die Gefahr, dass Sicherheitsvorgaben situativ angepasst oder umgangen werden. Hinzu kommt, dass viele Tätigkeiten in Alleinarbeit stattfinden. Mitarbeitende müssen Entscheidungen oftmals ohne direkten kollegialen Austausch treffen. „Viele Risiken entstehen nicht durch mangelndes Wissen, sondern durch Situationen, die vorher nicht vollständig vorhersehbar waren. Genau deshalb müssen Mitarbeitende lernen, Sicherheit aktiv an die jeweilige Situation anzupassen“, erläutert Dr. Anna Ganzke.
Dynamic Risk Assessment stärkt die Risikokompetenz vor Ort
Eine wichtige Ergänzung zu klassischen Gefährdungsbeurteilungen ist das Dynamic Risk Assessment. Dabei handelt es sich um eine Methode zur situativen Beurteilung von Risiken direkt in der konkreten Arbeitssituation. Wichtig an dieser Stelle: Das Verfahren ersetzt bestehende Gefährdungsbeurteilungen nicht, sondern erweitert sie um eine operative Komponente. Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit der Mitarbeitenden, ihre Arbeitsumgebung in Echtzeit zu bewerten. Dabei geht es darum, mögliche Risiken frühzeitig wahrzunehmen, die daraus entstehenden Gefährdungen realistisch einzuschätzen und auf dieser Grundlage geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten. So entsteht ein strukturierter Entscheidungsprozess, der Mitarbeitende dabei unterstützt, auch in unerwarteten Situationen sicher zu handeln.
Gerade bei wechselnden Einsatzorten gewinnt diese Vorgehensweise an Bedeutung. Mitarbeitende lernen dadurch, Abweichungen nicht als normale Improvisation zu akzeptieren, sondern bewusst auf ihre sicherheitsrelevanten Auswirkungen zu prüfen. Besonders bei Alleinarbeit schafft diese Kompetenz zusätzliche Sicherheit. Unterstützend können praxisnahe Trainings, gedruckte oder digitale Checklisten sowie virtuelle Begleitungen über Bodycam und Headset eingesetzt werden.
Safety Stand-Ups machen Sicherheit zum festen Bestandteil des Arbeitsalltags
Neben der individuellen Risikobewertung spielt auch die Kommunikation eine zentrale Rolle. Genau hier setzen sogenannte Safety Stand-ups an. Dabei handelt es sich um kurze, strukturierte Gespräche im Team, die typischerweise zwischen fünf und fünfzehn Minuten dauern. Inhaltlich geht es darum, aktuelle Gefährdungen, besondere Herausforderungen bevorstehender Einsätze oder Erfahrungen aus vergangenen Aufträgen zu besprechen. Egal, ob die Gespräche täglich vor Arbeitsbeginn oder in regelmäßigen wöchentlichen Abständen stattfinden: Entscheidend ist, dass sie konsequent durchgeführt und eng an der betrieblichen Realität ausgerichtet werden.
Gerade in dezentralen Strukturen helfen Safety Stand-ups dabei, Informationen schneller zu verbreiten und sicherheitsrelevante Themen sichtbar zu machen. Darüber hinaus stärken sie den Sicherheitsdialog zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden. Studien zeigen, dass qualitativ hochwertige Sicherheitsgespräche die Akzeptanz von Arbeitsschutzmaßnahmen erhöhen und ein sicheres Verhalten fördern können. „Safety Stand-ups schaffen einen festen Rahmen, um Erfahrungen aus unterschiedlichen Einsatzorten systematisch auszutauschen und daraus präventive Maßnahmen für zukünftige Arbeiten abzuleiten“, erklärt Dr. Anna Ganzke.
WandelWerker Consulting GmbH: Warum präventive Kennzahlen wichtiger werden als reine Unfallstatistiken
Viele Unternehmen bewerten ihre Arbeitssicherheit noch immer hauptsächlich anhand von Unfallzahlen. Diese Kennzahlen zeigen jedoch erst im Nachhinein, dass Schutzmaßnahmen nicht ausreichend gewirkt haben. Moderne Sicherheitssteuerung setzt deshalb zunehmend auf präventive Kennzahlen.
Das von den Wandelwerkern entwickelte Safety Culture Performance System verfolgt genau diesen Ansatz. Sie macht sichtbar, ob Sicherheitsaktivitäten im Alltag tatsächlich stattfinden. Erfasst werden beispielsweise durchgeführte Dynamic Risk Assessments oder Safety Stand-Ups. Besonders in dezentralen Bereichen entsteht dadurch ein wichtiger Vorteil. Führungskräfte erhalten Einblicke in Sicherheitsaktivitäten, obwohl sie nicht dauerhaft vor Ort sein können. Unterstützt wird dies durch die Wandelwerker App, mit der Sicherheitsaktivitäten dokumentiert werden können. Über das Safety Culture Performance System lassen sich die gesammelten Daten auswerten und für eine frühzeitige Identifikation potenzieller Risiken nutzen. „Wer ausschließlich auf Unfallzahlen schaut, steuert immer rückwärts. Prävention beginnt dort, wo Unternehmen erkennen, welche Sicherheitsaktivitäten heute stattfinden und welche morgen fehlen könnten“, betont Dr. Anna Ganzke.
Mehr Sicherheit dort, wo Risiken tatsächlich entstehen
Dezentrale Arbeitssicherheit lässt sich nicht allein durch Dokumentation, Unterweisungen und Kontrollen verbessern. Unternehmen müssen ihre Mitarbeitenden vielmehr befähigen, Risiken selbstständig zu erkennen, Gefährdungen richtig einzuschätzen und angemessene Schutzmaßnahmen abzuleiten.
Dynamic Risk Assessments, Safety Stand-Ups und präventive Kennzahlen verfolgen genau dieses Ziel. Sie stärken die Risikokompetenz, verbessern die Kommunikation und schaffen Transparenz über sicherheitsrelevante Aktivitäten im operativen Alltag. Dadurch wird Arbeitssicherheit nicht nur geplant, sondern dort wirksam umgesetzt, wo Risiken tatsächlich entstehen: auf Baustellen, beim Kunden und im täglichen Serviceeinsatz.
Für Management, Sicherheitsingenieure und Fachkräfte für Arbeitssicherheit sowie Führungskräfte bedeutet das einen Perspektivwechsel. Entscheidend ist nicht allein, welche Regeln existieren. Entscheidend ist, ob diese Regeln unter realen Bedingungen angewendet werden können und ob Mitarbeitende die Kompetenz besitzen, auch in unerwarteten Situationen sichere Entscheidungen zu treffen.
Sie möchten die Arbeitssicherheit in dezentralen Bereichen nachhaltig verbessern, Risiken an wechselnden Einsatzorten frühzeitig erkennen und Ihre Mitarbeitenden zu sicheren Entscheidungen im Arbeitsalltag befähigen? Dann melden Sie sich jetzt bei den erfahrenen Sicherheitskultur-Beratern der WandelWerker Consulting GmbH (https://www.wandelwerker.com) und buchen Sie sich Ihren Termin für ein unverbindliches Erstgespräch!
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Quelle: ots
