Tarifrunde #Chemie22: Verhandlungen in Baden-Württemberg ergebnislos vertagt / Chemie-Arbeitgeber fürchten um Standort / Forderungen zurückgewiesen

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Karlsruhe (ots) –

Die Tarifverhandlungen für die mehr als zweihundert tarifgebundenen Chemie- und Pharmaunternehmen in Baden-Württemberg sind am Mittwoch ohne Ergebnis vertagt worden. Beim Auftakt der regionalen Verhandlungen von Arbeitgeberverband Chemie (agvChemie) und der Chemie-Gewerkschaft betonte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Andreas Schmitz: „Wir können jetzt keine weiteren Belastungen gebrauchen, sonst ist der Standort ernsthaft gefährdet“. Die zentrale Forderung nach einer Entgelterhöhung über der Inflationsrate wiesen die Arbeitgeber zurück.

Auch kleinere Betriebe stehen im harten europäischen und weltweiten Standortwettbewerb: Mitglieder der Tarifkommission der Arbeitgeber erläuterten am Beispiel ihrer Unternehmen, wie der Anstieg der Rohstoffpreise und insbesondere die Explosion der Energiekosten sowie notwendige Investitionen kaum Verteilungsspielraum lassen. Die Inflation könne kein Maßstab für die Entgelterhöhungen sein. Denn, so Schmitz: „Der Entgeltanstieg in unserer Branche war in den vergangenen zehn Jahren zehn Prozent höher als die Inflation. Das ist ein satter Reallohnzuwachs!“

Hinzu komme die extreme wirtschaftliche Unsicherheit, die durch den Krieg in der Ukraine entstanden sei. Arbeitgeber und Gewerkschaft sind sich einig in der Verurteilung dieses völkerrechtswidrigen russischen Angriffs, was sie zu Beginn der Verhandlungen deutlich machten.

Wichtig für die Arbeitgeber war, den Charakter von Tarifverträgen als Mindestbedingungen deutlich zu machen: „Wir müssen uns als Tarifvertragsparteien wieder stärker auf das Wesentliche konzentrieren. Deshalb können wir uns bei unseren Abschlüssen nicht am oberen Drittel der Unternehmen orientieren. Alle Unternehmen müssen sie tragen können,“ sagte Björn Sucher, Geschäftsführer des agvChemie.

Auf die Forderung, die Ausbildung in der Branche zu verstärken, reagierten die Chemie-Arbeitgeber mit einem Hinweis auf die Kampagne „Ausbildung starten. Zukunft gestalten.“ Damit haben die Verbände der Chemie- und Pharmaindustrie in Baden-Württemberg ihre seit Jahrzehnten intensiv laufenden Ausbildungsmarketing-Aktivitäten nochmals verstärkt. Mit dem Hashtag #AusbildungZukunftGestalten werben sie im Radio, auf Plakaten und online für die Besetzung offener Ausbildungsstellen. Das genau sei auch das Problem, so Sucher: „Es fehlt an Bewerbern – im vergangenen Jahr konnten etwa zehn Prozent der angebotenen Stellen nicht besetzt werden.“ Hier greife die Kampagne, an der sich die Gewerkschaft gerne beteiligen könne.

Die Verhandlungen werden ab dem 21. März 2022 in Hannover auf Bundesebene weitergeführt.

Zur Chemie-Tarifrunde 2022

Nach dem Auftakt der regionalen Verhandlungen für Baden-Württemberg am 9. März 2022 sind weitere Verhandlungen auf Bundesebene (21./22. März, 4./5. Mai 2022) geplant. Aktuelle Informationen zur Chemie-Tarifrunde sind im Newsbereich des agvChemie unter https://medien.chemie.com sowie unter dem Hashtag #chemie22 in den sozialen Netzwerken zu finden.

Zum Arbeitgeberverband Chemie Baden-Württemberg e.V. (agvChemie)

Der agvChemie ist der Arbeitgeberverband für die Unternehmen der chemischen und pharmazeutischen Industrie in Baden-Württemberg. Er vertritt in den Verhandlungen mehr als zweihundert tarifgebundene Unternehmen (etwa 72.000 Beschäftigte). Die größte Teilbranche ist die pharmazeutische Industrie, gefolgt von Farben und Lacken sowie Körperpflege und Waschmittel. Derzeit beschäftigen die Unternehmen in etwa 30 unterschiedlichen Berufsbildern 3.500 Auszubildende und DHBW-Studenten. Die Unternehmen im agvChemie machten 2021 einen Umsatz von ca. 33,3 Milliarden Euro. Die Exportquote in diesen Betrieben liegt über 59 Prozent.

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Quelle: ots