Kompetenz im Holzbau für Bauingenieure und Architekten

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Kassel (ots) –

Berufsbegleitende, universitäre Qualifikation für eigenständige Lösungen in einem wachsenden Markt

„Der Holzbau in Industrie-, Geschäfts- und Wohnungsbau ist mitten im Aufschwung, doch es fehlen qualifizierte Fachkräfte und Experten nicht nur in der Ausführung, sondern auch in der Konzeptionierung der Bauwerke. Um die eigene Kompetenz zu stärken und am Wachstum dieser intelligenten und nachhaltigen Bauweise teilzuhaben, bieten wir Bauingenieuren und Architekten eine berufsbegleitende Qualifikation im Holzbau mit zwölf Online-Sitzungen im Wintersemester 2022/23 an. Diese orientiert sich an unseren bewährten Curricula im Bachelor- und Masterstudiengang für Bauingenieure“, sagt Prof. Dr. Werner Seim, Fachgebietsleitung Bauwerkserhaltung und Holzbau an der Universität Kassel. Er möchte mit dem Kursangebot die Ingenieure und Architekten in die Lage versetzen, konzeptionelle Lösungen im Holzbau qualifiziert beurteilen und eigene Lösungen entwickeln zu können, um auf dieser Basis in die Diskussion um neue Ansätze zu treten und eigene Innovationen im Holzbau zu verwirklichen.

Einladung zur Online-Informationsveranstaltung

Prof. Dr. Seim lädt alle Interessierten zur Online-Informationsveranstaltung am 20. Juni 2022 um 16.00 Uhr ein. Weitere Informationen und die Anmeldung finden sich auf der Webseite „Weiterbildung Energie.Bauen.Umwelt“ der Universität Kassel, www.ebu-kassel.de (https://bit.ly/3sLYl5t)

Inhalte und Aufbau

Das Qualifikationsangebot unter dem Titel „Ingenieurholzbau: Basiswissen und Vertiefung“ im Wintersemester 2022/23 richtet sich an Bauingenieure, Architekten sowie Techniker und besteht aus zwei Mal sechs Einheiten von jeweils drei Stunden. Mit Ausnahme eines Präsenzblocks in der Mitte des halben Jahres werden die Lehrveranstaltungen online abgehalten. Der Kurs schließt mit einer Teilnahmebescheinigung ab. Es gibt keinen Test oder Klausuren. In den ersten sechs Einheiten werden Kenntnisse über Tragelemente und Verbindungen sowie über die wichtigsten Bauteile im Holzbau wie Stützen, Träger und einfache Dachkonstruktionen mit den zugehörigen Verbindungen. Dieser Kursteil orientiert sich am Curriculum für das Bachelor-Studium. In den sechs Einheiten des zweiten Abschnitts geht es um die Vertiefung dieses Wissens und Berechnungsmethoden für zukunftsweisende Bauvorhaben etwa im mehrgeschossigen Wohnungsbau, im Schwingungsverhalten von Holzkonstruktionen und in der Holz-Beton-Verbundbauweise. Die Inhalte richten sich am Curriculum für das Masterstudium aus. Es ist geplant, in einer nächsten Stufe weitere Themenbereiche wie zum Beispiel die Bauphysik und den Brandschutz aufzugreifen. Lehrende sind – neben Prof. Dr. Werner Seim – Dr. Timo Claus und Dr. Johannes Hummel, die als ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Kassel heute in Ingenieurbüros bei Kassel und in Stuttgart arbeiten. Ihr didaktisches Konzept legt besonderen Wert auf das Verständnis der ingenieurtechnischen Grundlagen und der qualitativen Zusammenhänge. „Die Beherrschung der Normen ergibt sich dann ganz von selbst“, sind sich die drei Lehrenden einig.

Holzbau ist im deutschsprachigen Raum hoch entwickelt

Prof. Dr. Werner Seim zählt mit seinem Team zu den führenden Wissenschaftlern im Holzbau. Er selbst hat seine wissenschaftliche Karriere in Karlsruhe begonnen und sieht die Universität Kassel in Forschung und Lehre im Holzbau hervorragend aufgestellt sowie in einer guten Position im Vergleich mit den führenden Lehrstühlen im deutschsprachigen Raum. Der Holzbau sei sowohl im Handwerk als auch in den Ingenieurwissenschaften im deutschsprachigen Raum traditionell technologisch hoch entwickelt. Schon an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert habe im deutschsprachigen Raum der Übergang vom Erfahrungswissen im Holzbau, das hervorragend qualifizierte Handwerker erworben und von Generation zu Generation weitergegeben haben, hin zu evidenzbasierten, wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnissen als Basis des modernen Ingenieurholzbaus begonnen. Das Zimmerhandwerk und der Mittelstand in Handwerk und Holzwirtschaft zeichneten sich seither durch Offenheit gegenüber der Forschung und gegenüber Innovationen aus. Der Mittelstand sei Forschungspartner der Hochschulen und Initiator von wissenschaftlicher Forschung.

Holz erfordert eine sorgfältige und anspruchsvolle Planung

Der Holzbau sei im Vergleich zum klassischen Massivbau vom Gewicht her leicht, aber genau deswegen auch sehr anspruchsvoll in der Konzeption und Umsetzung, sagt Prof. Dr. Werner Seim. Das Gewicht des Holzbaus sei gegenüber dem Massivbau aus Stein und Beton um mehr als 40 Prozent geringer. Um die Nachteile des leichteren Materials im Schwingungs- und Dämpfungsverhalten auszugleichen, erfordere der Holzbau eine sorgfältige, anspruchsvolle Planung. „Wer als Planer oder Unternehmer in den Holzbau einsteigt, der weiß, worauf er sich einlässt. Er betreibt größeren Aufwand, ist sich dessen bewusst und trifft auf einen Markt, der die Qualität einfordert. Es gibt kein Dumping wie im Massivbau mit den entsprechenden Folgen in der Bauqualität.“

Laubholz tritt neben Nadelholz als Baustoff

Holzbauten und ihre Teile ließen sich in der Halle unter klimatisch einwandfreien Bedingungen mit Hilfe von Robotertechnik in präzisen industriellen Verfahren vorfertigen, sagt Prof. Dr. Werner Seim. Auf der Baustelle werden die Module schnell zu einer wetterfesten Konstruktion verbaut. Der Zeitvorteil gegenüber dem Massivbau entspreche etwa dem Faktor zehn. Die Dauerhaftigkeit des Holzbaus sei der von Stein, Stahl und Beton vergleichbar. Der Brandschutz sei kein spezielles Thema des Holzbaus, und an Lösungen, das Schwingungsverhalten und den Schallschutz zu verbessern, arbeite auch die Universität Kassel in Kooperation mit der Industrie. Mit dem Wandel hin zum klimaresilienten Wald werde Laubholz in den bisher vom Nadelholz dominierten Holzbau immer weiter vordringen. Die Entwicklung stehe erst am Anfang, sei aber schon Gegenstand der Forschung in den Ingenieurwissenschaften an der Universität Kassel.

Zahl der Holzbauten steigt in Deutschland

Die Zahl der genehmigten Gebäude, die überwiegend mit Holz gebaut wurden, ist unter den Ein- und Zweifamilienhäusern im Jahr 2020 auf 23,1 Prozent (2019: 21,3 Prozent) gestiegen, informiert der Bund Deutscher Zimmermeister. Bei den Mehrfamilienhäusern lag die Quote 2020 erstmals bei 4,5 Prozent (2019: 3,7 Prozent) und bei den Nichtwohngebäuden ist sie von 19,5 Prozent (2019) auf 20,9 Prozent im Jahr 2020 geklettert. Prof. Dr. Werner Seim berichtet, der Holzbau habe in der Vergangenheit immer dann einen Aufschwung erlebt, wenn Stahl und Beton teuer waren und Holz als preiswerte Alternative erschien. Heutzutage entschieden sich immer mehr Auftraggeber ganz bewusst für Holz als Werkstoff. Im Bau großflächiger Hallen und Lager sei Holz als Baumaterial längst etabliert. Hinzu komme, dass Nachhaltigkeit zu einer verbreiteten Haltung geworden sei, und Holz aus dem nachhaltig, klug und aktiv bewirtschafteten Wald ein hervorragender Kohlenstoffspeicher sei, der den Kohlenstoff über lange Zeit binde und energieintensive Baustoffe wie Beton, Stahl und Aluminium ersetze. Auch in der Wiederverwertung – sei es im Recycling zu hochwertigen Werkstoffen oder im Downcycling zum Brennstoff – biete Holz entscheidende Vorteile. Schließlich beförderten politische Vorgaben insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg den Holzbau. Im öffentlichen Bau verlange Baden-Württemberg heute faktisch vor dem Bau eines Gebäudes in Massivbauweise, dass die Errichtung eines Holzbaus aus konkreten Gründen auszuschließen sei. Und in Nordrhein-Westfalen werden Holzbauten mit einem zinsgünstigen Zusatzdarlehen von bis zu 15.000 Euro und einem Tilgungsnachlass von 50 Prozent gefördert.

Einladung zur Online-Informationsveranstaltung und weitere Informationen

Prof. Dr. Seim lädt alle Interessierten zur Online-Informationsveranstaltung am 20. Juni 2022 um 16.00 Uhr ein. Weitere Informationen und die Anmeldung finden sich auf der Webseite „Weiterbildung Energie.Bauen.Umwelt“ der Universität Kassel, www.ebu-kassel.de (https://bit.ly/3sLYl5t)

Ihre Ansprechpartner:innen zum Fachthema:

Universität Kassel
Fachbereich Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen
Fachgebiet Bauwerkserhaltung und Holzbau
Prof. Dr.-Ing. Werner Seim
Tel.: 0561-804-2625
Email: wseim@uni-kassel.de

Weiterbildung Energie.Bauen.Umwelt
Seminarplanung
Dipl.-Ing. Heidi Trapp
Tel.: 0561-804-7662
Email: trapp@uni-kassel.de

UNIKIMS – die Management School der Universität Kassel
Universitätsplatz 12
34127 Kassel

Dr. Jochen Dittmar
+49 561-804-2913
dittmar@uni-kassel.de

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Quelle: ots